Arbeitsprozess

Eine Anleitung in 7 Schritten: KI- oder Digitalisierungsprojekt im Bau starten

Da ich diese Frage schon öfter gehört habe, schauen wir uns einmal genauer an, wie man ein Digitalisierungsprojekt im Bau starten kann.

Billy Thiemann
07.01.2026

Das erste zuerst

Digitalisierung ist ein großes Wort. Und egal, wen man fragt, jeder versteht etwas anderes darunter. Lass uns also zuerst definieren, was in diesem Artikel mit „Digitalisierung“ gemeint ist.

Unter Digitalisierung verstehen wir bei LEANATIC ganz einfach die Übertragung eines analogen oder händisch verarbeiteten Prozesses in eine digitale, möglichst automatisierte Lösung.

Wenn es dir also nicht gerade darum geht, alte Dokumente einzuscannen, sondern echte Abläufe zu verbessern, kannst du weiterlesen. 😃

Die 7 Schritte

Bevor wir ein KI- oder Digitalisierungsprojekt im Bau starten, müssen einige grundlegende Fragen geklärt werden:

  • Welche Ziele verfolgen wir?
  • Welche Mitarbeiter müssen von Anfang an eingebunden werden?
  • Wie läuft der aktuelle Prozess wirklich ab?
  • Woran erkennen wir, dass das Projekt erfolgreich war?

Erst wenn diese Leitplanken gesetzt sind – inklusive Budget und erwartetem Return on Investment – lohnt es sich, über konkrete Lösungen, Tools und Umsetzungsteams nachzudenken.

Wichtig: Ein Digitalisierungsprojekt sollte immer iterativ umgesetzt werden. Also in kleinen, überschaubaren Schritten – vom Prototyp zur ausgereiften Lösung.

Das sind die 7 Schritte, mit denen wir bei LEANATIC Digitalisierungsprojekte in der Baubranche angehen:

  1. Warum überhaupt? Problem eindeutig benennen.
  2. Mitarbeiter mitnehmen
  3. Prozess klar veranschaulichen
  4. Fokus auf ein Teilbereich setzen
  5. Lösung & Weg skizzieren
  6. Prototyp und MVP bauen
  7. Messen, lernen, nachjustieren

Los gehts!

1. Warum überhaupt? Problem eindeutig benennen.

Bevor wir mit unseren Kunden ein neues Digitalisierungsprojekt beginnen, muss klar sein:
Was wollen wir überhaupt digitalisieren – und warum?
Und: Ist Digitalisierung hier wirklich die richtige Antwort?

Wenn du diesen Artikel liest, hast du vermutlich bereits ein konkretes Vorhaben im Kopf. Dennoch solltest du dir zuerst folgende Fragen beantworten:

Welche konkreten Probleme kosten uns heute am meisten Geld, Zeit oder Nerven?

Typische Beispiele aus der Baubranche sind:

  • Manuelle Prozesse in der Lieferschein- oder Rechnungsprüfung
  • Analoge Bemusterungsvorgänge mit uninformierten oder überforderten Kunden
  • Veraltete oder inkonsistente Produktdaten
  • Medienbrüche zwischen Planung, Vertrieb und Ausführung
  • Kaufabbrüche im Vertriebsprozess

Wie definierst oder misst du den Projekterfolg?

Ein klar formuliertes Ziel hilft dir und deinem Team, den Fokus zu halten – und später zu entscheiden, ob sich die Weiterentwicklung des Projekts lohnt.
Gute Ziele sind zum Beispiel:

  • „Fehlerquote halbieren“
  • „Kaufabbrüche um 20 % senken“
  • „Mehr Zeit für Kundenberatung schaffen“

2. Mitarbeiter mitnehmen

Gerade in KMU und Familienunternehmen ist dieser Schritt entscheidend.

Die Mitarbeiter, die heute im Prozess arbeiten, müssen von Anfang an mit an Bord sein.
Warum?

  • Sie kennen die Realität des Tagesgeschäfts besser als jede Prozessbeschreibung
  • In ihrem Wissen stecken oft die wahren Engpässe
  • Ohne ihre Akzeptanz wird jede digitale Lösung scheitern

Ziel ist es, das Projektergebnis zu verbessern und gleichzeitig aktives Change-Management zu betreiben. So steigt die Akzeptanz der Lösung deutlich – und Widerstände werden frühzeitig abgebaut.

3. Prozess klar veranschaulichen

Bevor etwas digitalisiert wird, muss klar sein, wie der Prozess heute wirklich abläuft – nicht, wie er theoretisch laufen sollte.
Stellt euch dazu am besten an ein Whiteboard und visualisiert den Prozess Schritt für Schritt. Achtet dabei ausdrücklich auch auf Ausnahmefälle und typische Probleme.

Hilfreiche Fragen dabei sind:

  • An welchen Stellen müssen Informationen händisch eingefordert werden, um einen Prozessschritt abzuschließen?
  • Welche Menschen, Kunden, Partner oder Abteilungen sind beteiligt – und mit welchen Tools oder Geräten arbeiten sie?
  • Wo muss aufeinander gewartet werden? Gibt es Abhängigkeiten?
  • Wo werden Daten mehrfach erfasst? Wo werden Dateien per E-Mail verschickt?

Das Ergebnis sollte ein absolut klares und gemeinsames Verständnis des IST-Zustands sein.

4. Fokus setzen

An diesem Punkt wirst du erfahrungsgemäß feststellen, dass der IST-Zustand – inklusive aller beteiligten Personen, Tools und möglicherweise sogar externer Firmen – so komplex ist, dass das Projekt schnell überwältigend wirkt.

Sollte das der Fall sein, suche dir bewusst einen zentralen, zusammenhängenden Teilprozess heraus und fokussiere dich ausschließlich darauf.

Warum das wichtig ist?
Weil wir schnell Ergebnisse erzielen wollen – und vor allem testen möchten, ob die angedachte Lösung tatsächlich die gewünschten Effekte bringt, bevor wir ein riesiges Digitalisierungsprojekt im Bau starten, das am Ende niemand mehr überblickt.

5. Lösung & Weg skizzieren

Hier liegt die wichtigste konzeptionelle Arbeit des gesamten Digitalisierungsprojekts.

Ziel ist es, einen neuen digitalen Soll-Prozess zu definieren und Klarheit darüber zu schaffen, wer was mit welchen Tools umsetzt.
Als Agentur ist das häufig der Punkt, an dem wir gemeinsam mit unseren Kunden ein Wunschszenario festlegen, anschließend in die Konzeption gehen, geeignete Tools vorschlagen und die zu erwartenden Kosten einschätzen.

Wenn du dein Projekt intern umsetzen möchtest, helfen dir folgende Fragen:

  • Welche Daten liegen aktuell noch nicht digital vor, sind aber für einen sauberen Prozess notwendig?
  • Welche Informationen sollen künftig nicht mehr gesucht werden müssen?
  • Was soll grundsätzlich gar nicht mehr gemacht werden?
  • Was soll jede Person jederzeit über welche Oberfläche sehen können?
  • Gibt es unterschiedliche Rollen oder Rechte in Bezug auf Daten und Ansichten?
  • Welche Tools oder KI-Lösungen könnten unterstützen? (Hier ist Recherche fast immer notwendig.)
  • Welche Schnittstellen werden benötigt, um Medienbrüche zu vermeiden?

Lass dich in diesem Schritt nicht entmutigen.
Ja, diese Phase kann mehrere Tage oder sogar Wochen dauern. Die Planung ist jedoch die halbe Miete. Eine gute Recherche kann sich enorm auszahlen: Findest du beispielsweise ein Tool, das einen Teil der Arbeit für wenige Euro im Monat übernimmt, statt in eine teure Individualentwicklung zu investieren, sparst du oft Zeit und Geld.

6. Prototyp und MVP bauen

Unser Mantra bleibt: Reduzieren und in kleinen Schritten vorwärtskommen.
Andernfalls wirst du dein Digitalisierungsprojekt im Bau zwar starten – aber vermutlich nie beenden 😃

Wir bauen also keine vollwertige, schlüsselfertige Software, sondern zunächst einen Prototyp, der bereits einen kleinen, klaren Nutzen stiftet. In Schritt 4 hast du einen begrenzten Teilprozess definiert, den du zuerst digitalisieren möchtest (geht es eventuell sogar noch kleiner?).

Setze diesen Prototyp so schnell wie möglich um.
Denke dabei auch an moderne Tools wie Google Gemini, die – bei einer sauberen Beschreibung des Zielprodukts – teilweise in wenigen Minuten erste Prototypen erzeugen können.

Anschließend gilt: testen, testen, testen.
Nimm einige der beteiligten Personen dazu, lass sie mit dem Prototyp arbeiten und hole dir gezielt Feedback ein. Erst danach gehst du den nächsten Schritt und entwickelst ein MVP (Minimum Viable Product) – also eine Lösung, die echten Mehrwert bietet und im Alltag von einem Teil (oder allen) der in Schritt 3 identifizierten Personen genutzt wird.

Idealerweise planst du Prototyp und MVP so, dass sie innerhalb von 4–8 Wochen umgesetzt werden können.
Wenn du merkst, dass es länger dauert, stelle dir erneut die Frage:

Wie können wir das Projekt noch kleiner schneiden?

7. Messen, lernen, nachjustieren*

Sobald dein MVP fertig ist, solltest du es so schnell wie möglich operativ einsetzen. Lass die Projektbeteiligten damit arbeiten, sammle Feedback ein und miss vor allem eines: Tritt das in Schritt 1 definierte Ziel tatsächlich ein – oder deutet zumindest alles darauf hin, dass es erreicht werden kann?

Aus dem Gelernten passt du anschließend:

  • deinen Fokus an (Schritt 4),
  • überarbeitest bei Bedarf den Lösungsweg (Schritt 5)
  • und entwickelst deine digitale Lösung iterativ weiter (Schritt 6).

So bleibt dein Digitalisierungsprojekt im Bau steuerbar, lernfähig und wirtschaftlich sinnvoll.

*Den Namen unserer Agentur, LEANATIC, haben wir bewusst gewählt, da wir große Fans der LEAN-Prinzipien sind. Die Konzepte Build – Measure – Learn sind zeitlos und stammen aus dem Buch „LEAN Startup“, das ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen kann.

Fazit

Ich hoffe, diese diese Step by Step Anleitung um dein Digitalisierungsprojekt im Bau zu starten, hat geholfen.

Wenn du Unterstützung brauchst oder konkrete Fragen hast, melde dich gerne bei mir.
Ich helfe dir telefonisch oder wir vereinbaren direkt einen Termin.

Für einen besonders schnellen Einstieg unterstützen wir dich auch aktiv, zum Beispiel mit:

Fragen zum Artikel? Einfach mal sprechen? Lass uns gerne vernetzen!

Billy Thiemann
Digitalisierungsexperte
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Sabrina Mattle
UX/UI Expertin
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